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Blinkist x SuD

Gedankenfutter in Häppchen

Einen Bestseller lesen in 15 Minuten? Während einer Bahnfahrt oder beim Laufen den Überblick über aktuelle Diskurse bekommen? Das Berliner Start-up Blinkist bietet Sachbücher auf eine Viertelstunde Lesezeit. In Kooperation mit Blinkist stellen wir über die nächsten Monate die spannendsten Blink-Versionen von Büchern zu Digitalisierung, Arbeitswelt und Konsumkultur vor. Welche Themen die Menschen bewegen, was wir gewinnen und was verlieren, wenn wir Bücher in Kurzversion lesen, erzählt uns Blinkist Marketing Manager Therese Sivertsson.

Therese Sivertsson Blinkist

Therese Sivertsson ist Marketing Manager und Video Production Coordinator bei Blinkist. Zuvor betreute sie als Marketing Manager bei der HitFox Group und FinLeap Projekte in Branding und Kommunikationsstrategie. Therese Sivertsson studierte Wirtschaft an der Stockholm School of Economics und begeistert sich für Neue Medien, Nutzerverhalten und lebenslanges Lernen. Ursprünglich aus Nordschweden, lebt sie seit drei Jahren in Berlin.

Die Lern-App Blinkist bietet aktuelle und klassische Sachbuch-Bestseller, reduziert auf ihre wichtigsten Thesen. Komprimiert auf ungefähr 15 Minuten Lesezeit, werden die Kernaussagen der Bücher von freien Fachautoren zusammengefasst und von der Blinkist-Redaktion auf Qualität und Fakten geprüft. Anders als bei einer Buchrezension bleibt dabei eine persönliche Bewertung außen vor. Stattdessen sollen sich die Nutzer der App einen Überblick über den Inhalt verschaffen, um dann zu entscheiden, ob sie das Buch selbst lesen möchten. So versteht sich Blinkist auch als Ergänzung zum Sachbuch, nicht als Ersatz. Besonders beliebt sind die Themen Karriere und persönliche Entwicklung.

STURM und DRANG: Sie haben eine Challenge gewonnen und 100 Bücher in einem Monat auf der Blinkist-App gelesen. Können Sie die Titel und wichtigsten Thesen noch auseinander halten?

Therese Sivertsson: Haha, nicht auf Anhieb, aber wenn ich wieder auf die verschiedenen Titel zurückkomme, die ich gelesen habe, erinnere ich mich ziemlich gut an den Inhalt. Das ist aber bei anderen Lernquellen genauso. Nicht alles, was ich einmal gelernt oder gelesen habe, weiß ich noch aus dem Stand, aber wenn ich in einer Situation bin, in der ich es brauche, kann ich darauf zugreifen.

SuD: Was waren die interessantesten Infos oder Ideen, an die Sie sich erinnern?

Sivertsson: Ich bin besessen von dem Buch Sex: Die wahre Geschichte, das die Geschichte und Entwicklung der menschlichen Sexualität erzählt, von der Zeit, als wir in Stammesgemeinschaften lebten und alles miteinander teilten bis hin zur monogamen Gesellschaft von heute. Ein faszinierendes Buch! Auch Das geheime Leben der Bäume hat mich umgehauen – zu lernen, dass Bäume durch Pilze miteinander verbunden sind, die an ihren Wurzeln wachsen und durch diese Verbindungen Informationen austauschen über Insektenbefall, Nährstoffe und so weiter. Ich war so gefesselt, dass ich das Buch jetzt im Original lese. Was meine aktuellen Favoriten angeht: Auf Homo Deus von Yuval Noah Harari bin ich sehr gespannt, das ist ganz neu in unserer Bibliothek.

SuD: Was gewinnt, was verliert man, wenn man in Blinks liest?

Sivertsson: Man verpasst die Anekdoten und Argumente, die die Ideen in Sachbüchern bekräftigen. Ein Bucher von vorne nach hinten durchzulesen und wirklich tief in ein Thema einzusteigen, für das man sich interessiert, hat natürlich eine andere Qualität. Aber ich glaube auch, dass das nicht immer nötig ist. Was ich mit Blinkist gewinne, ist die Möglichkeit auszuwählen, welchem Buch ich mehr Zeit widmen möchte und von welchem mir die 15-Minutenversion ausreicht. Ein anderer Vorteil ist die Bandbreite der Themen, die ich erkunden kann. Wenn ich nur 15 Minuten meiner Zeit investieren muss, schaue ich mir vielleicht auch mal einen Titel an, den ich normalerweise liegen lassen würde.

SuD: Was sagen die Autoren dazu, dass ihr Werk verkürzt wird?

Sivertsson: Oft schreiben uns Autoren, die ihr Werk für die App vorschlagen. Wir bekommen auch sehr positives Feedback von den Autoren, die wir kontaktieren. Sie sehen den Marketingwert, den eine große Plattform wie Blinkist bietet und glauben wie wir, dass die App nur eine Ergänzung zum Buch ist, nicht unbedingt ein Ersatz.

SuD: Wie sehen Sie die Zukunft des Romans? Kann auch Belletristik so verkürzt werden, dass Idee, Stimmung und das Magische erhalten bleiben? 

Sivertsson: Persönlich glaube ich das nicht und ich bin mir sicher, das jeder hier bei Blinkist das genauso sieht. Viele Sachbücher eignen sich gut für unser Format, da sie üblicherweise auf einen oder wenige Grundgedanken aufgebaut sind, die durch Anekdoten, logische Argumente und Experimente bekräftigt werden. Diese Ideen lassen sich in wenigen und manchmal einfacheren Worten zusammenfassen.

Romane dagegen sind so vielfältig in Stil und Struktur, da würde viel verloren gehen. Ich glaube auch, dass Fiktion aus ganz anderen Gründen gelesen wird als Sachbücher. Doch ich bin überzeugt, dass wir noch sehr viel mehr Audioadaptionen von Romanen sehen werden.

SuD: Sind wir heute zu ungeduldig zum Lesen?

Sivertsson: Nein, das glaube ich nicht. Aber die Art, wie wir an Informationen kommen und Neues lernen, ist vielfältiger geworden. Wir haben nicht die Zeit, alles zu tun, also sind wir gerne effizient. Für einige Menschen bedeutet das mitunter, ein Buch nicht ganz zu lesen. Die Hauptthesen daraus reichen ihnen als Gesprächs- oder Gedankenfutter. Persönlich glaube ich, dass Platz ist für alle möglichen Arten des Lernens. Und je mehr Optionen wir haben, umso mehr lernen die Menschen.

SuD: Welche Motivationen gibt es bei Ihren Kunden? Berufliche Weiterbildung? Small Talk-Futter? Selbstoptimierung?

Sivertsson: Selbstoptimierung und persönliche Entwicklung gehören tatsächlich zu den stärksten Anreizen, die App zu benutzen. Viele unserer User lesen damit auch endlich die Bücher, die sie immer schon lesen wollten, wozu aber bislang die Zeit fehlte. Dabei geht es oft um Karrierethemen. Doch viele Menschen möchten einfach auf unkomplizierte Art eine große Bandbreite an neuen Themen entdecken und so ihr Wissen erweitern.

Wir bekommen auch viel Feedback von Nutzern, die sich aus verschiedenen Gründen mit dem Lesen schwertun. Bei manchen sind es die Augen, andere haben Probleme mit der Konzentration oder eine Lernschwäche. Ihnen hat das kurze Blinkist-Format, das es auch in der Audioversion gibt, einen Zugang zu Wissen eröffnet, den sie vorher nicht hatten.

Demnächst im STURM und DRANG Magazin: Warum wir so leicht der digitalen Technik verfallen – Irresistible von Adam Alter als Book-in-Blinks!

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