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5 Fragen an Ted Selker

In unserer Interviewserie „5 Fragen an…“ stellen wir Visionäre, Innovatoren und Talente aus dem STURM und DRANG Netzwerk und den kreativen Zentren dieser Welt vor. Heute nimmt uns der Informatiker Ted Selker mit in einen futuristisch-perfekten Tag, erklärt, warum Nintendo nicht das wichtigste Handelsunternehmen der Welt wurde und warum er bald nie wieder anstehen muss.

Ted Selker

Ted Selker (San Francisco) ist ein amerikanischer Informatiker. Er lehrte an Universitäten wie Stanford, UC Berkeley, Brown, Hampshire College und dem MIT. Ted Selker ist bekannt als Erfinder neuer Szenarien für unseren Umgang mit Computern. Seine Themen reichen von Wahlsystemen bis zu Designs für die Küche der Zukunft. Teds Schwerpunkt ist die sogenannte „aufmerksame Technologie“, die menschliche Absichten erkennt und respektiert. Ted teilte seine Ideen zu aufmerksamer Technologie in einem STURM und DRANG Think Tank zum Thema “Managing Life in a Granular World“: „Ich habe einen Fernseher entworfen, der lauter wird, wenn ein Baby schreit und anhält, wenn man ans Telefon geht. Ich möchte eine rücksichtsvollere Welt schaffen.“

STURM und DRANG: Wie möchten Sie in Zukunft leben?

Ted Selker: Ich wache erholt auf, meine Liebste im Arm. Meine Ziele für den Tag sind klar. Wir arbeiten gleich gemeinsam an einer faszinierenden Designfrage: einer Anpassung  der Software, die es Fahrzeugen erlaubt, Energie zu sparen und mehr Menschen auf der Straße zu transportieren, indem sie Kolonne fahren. Das funktioniert mit Koppelungen wie bei Zügen oder mit Sensoren und KI, wie bei selbstfahrenden Autos. Ich hoffe, es wird der Welt und der Menschheit helfen. Kurze Zeit später fahre ich mit dem Rad einen steilen Hügel hinauf, durch Wald und ein farnbewachsenes Tal. Ich höre mir die „Nachrichtenentscheidungen“ an, die mich interessieren. Wer Wissen hat, darf entscheiden. Ein Zahnstocher analysiert den Nahrungsbedarf in meinem Mund. Zu Mittag esse ich einfach, aber mit einem Freund, den ich seit einem Jahr nicht gesehen habe. Unsere Windsurfer pumpen sich selbst auf. Wir fahren für eine Dreiviertelstunde in perfektem 22-Knotenwind  und steuern mit Vibrationssensoren zu Tanzmusik.

SUD: Welcher Trend hat Sie in den letzten 12 Monaten am meisten überrascht?

Selker: Was die globale politische Entwicklung angeht: Die Erfolge der anti-intellektuellen politischen Bewegung in den USA schockieren mich. Jahrelang habe ich daran gearbeitet, Wahlsysteme zuverlässiger, akkurater und integer zu machen. Doch jetzt frage ich mich: Wie gut funktioniert es in aktuellen demokratischen Prozessen, das beste Oberhaupt zu wählen?

Zum Thema Experience: Die Geschwindigkeit, mit der die Welt sich für die Augmented Reality in Pokémon Go begeisterte, war bis dahin völlig neu. Wenn Nintendo sich darauf fokussiert hätte, seine Technik auf menschliche Grundbedürfnisse auszurichten, auf Orientierung und menschliches Miteinander statt bloß auf einen Spiel-Hype, dann könnte Nintendo das wichtigste Wirtschaftsunternehmen der Welt sein.

SuD: Was wird im Jahr 2025 besser sein als heute?

Selker: 2025 werden wir nur noch selten Schlange stehen müssen, werden nicht mehr unsere Zeit damit verschwenden, Formulare auszufüllen oder nach Dingen zu suchen. Computer übernehmen das für uns, so dass wir mehr Zeit damit verbringen können, Dinge zu verbessern. 2025 werden unsere Telefone dafür sorgen, dass wir uns nicht mehr verlaufen, sondern selbst in Gebäuden problemlos navigieren können. Viel wichtiger noch: Wenn die Welt sich von luftverschmutzenden Zweitaktmotoren und Diesellastern verabschiedet, wird die Luft in den Städten der Welt nur noch an einem Fünftel der Tage gesundheitsschädlich sein. Ich habe auch Hoffnung, dass die Welt sich 2025 schon ein gutes Stück dahin bewegt hat, dass wir fossile Brennstoffe nur noch für Schmierstoffe und die Luftfahrt  brauchen.

SuD: Worauf sind Sie stolz?

Selker: Meine beste Leistung bisher war es, Studenten und Doktoranden zu betreuen und ihnen dabei zu helfen, große Arbeit zu leisten, ihre Ideen und ihr Wissen an viele Menschen weiterzugeben. Ich bin stolz auf meine Forschung, die gezeigt hat, wie man Wahlmaschinen baut, mit denen deutlich weniger Fehler bei der Auswahl passieren. Was technischen Komfort betrifft, muss ich zugeben, dass ich mit einem KI-kontrollierten Zeigegerät, das ich designt habe, sehr zufrieden bin. Ich bin sehr stolz darauf, TrackPoint entwickelt zu haben, den kleinen Tastatur-Joystick, der es den Menschen erlaubt, Texte um 25 Prozent schneller zu bearbeiten als andere Eingabemethoden.  Der TrackPoint verhalf damals dem IBM ThinkPad zum Erfolg.

SuD: Vor welcher technischen Entwicklung haben Sie Angst?

Selker: Nationale Konflikte und andere energieintensive Angelegenheiten sind unsere gefährlichsten Probleme. Unsere Faszination mit dem Autofahren und der bemannten Raumfahrt ist ein unglaubliches CO²-Desaster. Raketen sind – neben Kriegen – die schlimmste Energieverschwendung überhaupt. Wir leben auf der Erde: dem einzig plausiblen Lebensraum. Der Himmel ist ein wunderbarer Ort, um ihn mit Robotern zu erforschen und um globale Kommunikation zu ermöglichen. Er ist kein wunderbarer Ort für einen Besuch.

Referenzen

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