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Arbeitskultur

3 Thesen zur Zukunft der Arbeit

Die vierte industrielle Revolution ergreift bereits unsere Arbeitsplätze: Eine digital vernetzte Welt, die vielleicht smarter ist als wir selbst, verändert auf dramatische Weise, wie wir arbeiten und was es bedeutet, ein Angestellter zu sein. Heute führen in den USA zehn Jobs die Beliebtheitsrankings an, die im Jahr 2004 noch nicht einmal existierten. Welche Arten von Jobs werden wir wohl in Zukunft machen? Es herrscht eine berechtigte Angst darüber, dass der technologische Fortschritt demnächst große Teile der Erwerbsbevölkerung obsolet machen könnte – und zwar nicht nur einfache Arbeiter, sondern auch hochbezahlte Akademiker. Angesichts dieser unsicheren Lage brachte das Londoner CIPD Institut Experten, Visionäre und Fachleute für HR und Organisationsentwicklung zusammen, um gemeinsam die Zukunft der Arbeit zu diskutieren. Unser Autor Max Lahmers war dabei und fasst die drei wichtigsten Thesen zusammen.

Unsicher, aber optimistisch

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Millennials machen demnächst die Hälfte der globalen Arbeiterschaft aus. Unternehmen in aller Welt spüren den Druck, die neuen Karriereerwartungen dieser jungen Angestellten zu erfüllen. Zugleich stehen Unternehmen vor der Herausforderung, in einer digital vernetzten und immer schnelleren Weltwirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Diese Umbrüche geschehen in einem Klima von globaler politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit. Doch trotzdem herrscht großer Optimismus, dass Unternehmen entscheidend zu einer wünschenswerten Zukunft für alle beitragen können: indem sie einen Wandel in Gang setzen, der auf Werte wie Chancengleichheit, Transparenz und Verantwortungsbewusstsein setzt und der das Wohlbefinden der Angestellten in den Vordergrund stellt. Verantwortliches und ethisches Handeln macht schließlich auch ökonomisch Sinn: Es schafft gemeinsame Werte und ermöglicht Innovation. Auch die oft als bedrohlich empfundenen künstlichen Intelligenzen und Roboter können in eine optimistische Zukunftsvision umgedeutet werden. Sie könnten die Menschheit von anspruchsloser und monotoner Arbeit befreien und unser Arbeitsleben wieder mehr in Einklang mit unseren menschlichen Wünschen und Bedürfnissen bringen.

Glückliche Angestellte sind innovativer

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Mitarbeiterzufriedenheit scheint weltweit auf einem Tiefpunkt zu sein. Der letzte Gallup Report zeigt, dass die Mehrheit der Menschen mit ihrem aktuellen Job nicht erfüllt ist: Nur 13% der weltweiten Angestellten arbeiten mit Freude und Engagement, 63% fühlen sich zum Teil unzufrieden und 13% verweigern sich ihren Jobs und Arbeitgebern gegenüber aktiv. Dabei wird den Unternehmen immer bewusster, dass Zufriedenheit und Optimismus am Arbeitsplatz die Produktivität erhöhen. Statistiken zeigen, dass die Produktivität in beliebten Firmen um 22% höher und der Profit 21% größer ist als bei vergleichbaren Unternehmen. Professor Christopher Warhurst von der University of Warwick forschte über den Zusammenhang zwischen Arbeitsqualität und der Innovationskraft von Unternehmen. Sein Ergebnis: Es kommt weniger darauf an, wieviel Firmen in R&D investieren. Stattdessen fördern gute Arbeitsbedingungen Innovation und Geschäftsergebnisse.

Mehr Macht dem Team

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Das Edelman Trust Barometer von 2017 zeigt, dass es in der öffentlichen Wahrnehmung von Unternehmen, Regierungen, NGOs und Medien eine schwere Vertrauenskrise gibt. Damit spiegelt der Report einen wachsenden Unmut sowie soziale und wirtschaftliche Sorgen in der Bevölkerung. Soziale Werte schwinden in der Wahrnehmung der Befragten, während Ungerechtigkeit und Ungleichheit steigen. Es scheint, wir verlieren das Vertrauen darin, dass unser Gesellschaftssystem die Lebensbedingungen für die Mehrheit der Menschen verbessern kann. Dieser Vertrauensverlust trug entscheidend zum Anstieg von Populismus in verschiedenen westlichen Demokratien bei.

Lange Zeit herrschte der westliche Glaube, dass Unternehmen, Wirtschaftssysteme und politische Lösungen mit wissenschaftlicher Präzision geplant werden könnten. Die Realität zeigt, dass Marktentwicklungen, eine sich verändernde Umwelt, neue Technologien, gesellschaftliche, ökonomische und politische Trends viel zu komplex sind, um von Individuen und einzelnen Institutionen wirklich verstanden und beherrscht zu werden. Doch wie können wir Wirtschaft, Gesellschaft und Politik voranbringen um Wohlstand und Gerechtigkeit für alle zu garantieren?

In diesen unsicheren Zeiten brauchen wir neue Führungsprinzipien. Und Firmen in aller Welt experimentieren bereits mit einer neuen Managementphilosophie: Sie setzt auf die Intelligenz des Netzwerks und gibt dem Team mehr Entscheidungsbefugnisse. Waren Unternehmen früher rigide Hierarchien mit geballter Macht am oberen Ende, so zeigt sich heute, dass eine fließende Unternehmensstruktur, geteilte Entscheidungen und Verantwortung viel effektiver sind. Der autoritäre Führungsstil könnte bald der Vergangenheit angehören. Und die neuen fluiden Organisationsstrukturen brauchen Führungspersönlichkeiten, die auf Beziehungspflege und emotionale Werte setzen. Um das Vertrauen wiederherzustellen, müssen Unternehmensführer und Institutionen ethisches Denken und Handeln leben, auf Inklusion setzen, mit radikaler Transparenz handeln und kommunizieren, zugänglich und wandlungsfähig sein. Hier entsteht ein neuer Trend, der einen disruptiven Wandel in die Struktur und Leitung von Unternehmen bringt.

Vielleicht gibt es keine Patentlösung, wie sich Unternehmen und Arbeitnehmer auf eine unsichere Zukunft vorbereiten können. Doch wir sollten offen dem entgegensehen, was auf uns zukommt und was demnächst möglich sein könnte. Die Zukunft der Arbeit könnte eine Chance sein, unsere spezifisch menschlichen Fähigkeiten wiederzuentdecken und damit Bedingungen zu schaffen, in denen wir uns bei der Arbeit und darüber hinaus voll entfalten können. Wie der Managementtheoretiker Peter Drucker sagte: „Die beste Art die Zukunft vorherzusagen, ist, sie zu erschaffen.“