© Pandorafilm

Community

5 Fragen an … Filmemacher Cyril Dion

In unserer Interviewserie ”5 Fragen an…“ stellen wir Visionäre, Innovatoren und Talente aus dem STURM und DRANG Netzwerk und den kreativen Zentren dieser Welt vor. Heute macht uns der französische Regisseur Cyril Dion trotz unsicherer Zeiten Hoffnung auf ein besseres Morgen.

Co-Regisseure Cyril Dion und Mélanie Laurent. © AS Novel

Regisseur, Aktivist und Autor Cyril Dion (Frankreich) drehte gemeinsam mit der Schauspielerin Mélanie Laurent den Dokumentarfilm Tomorrow. Kann unsere Zivilisation die nächsten 40 Jahre überstehen, fragte eine Studie im Fachmagazin „Nature“ und sagte den ökologischen und wirtschaftlichen Kollaps voraus. Die Filmemacher wollten sich mit diesem Horror-Szenario nicht abfinden und überlegten, wie sie die Bevölkerung zum Handeln inspirieren könnten. Auf einem weltweiten Roadtrip besuchten sie Initiativen, die alternative ökologische, wirtschaftliche und demokratische Ideen verfolgen. Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen gewann den Filmpreis César und wurde von über einer Million Menschen gesehen.

Q: Cyril Dion, welcher Trend hat Sie in den letzten zwölf Monaten am meisten überrascht?

A: Der rapide Anstieg von Terrorismus in Frankreich und anderen Ländern. Zwei Attentate von einem solchen Ausmaß innerhalb eines Jahres… Damit hatte ich nicht gerechnet, selbst wenn wir Grund hatten zu glauben, dass das eines Tages passieren könnte.

Q: Haben Sie trotzdem die Hoffnung, dass es uns im Jahr 2025 besser gehen könnte als heute?

A: Das hängt wirklich von uns ab! Vieles könnte besser laufen, wenn wir heute die richtigen Entscheidungen treffen: Unsere Wälder könnten wieder nachwachsen, die Anzahl wilder Tiere wieder steigen. Wir könnten die Qualität des Ackerlandes verbessern, Pestizide reduzieren, den Klimawandel in Schach halten, soziale Ungleichheit reduzieren, Reichtum gerechter umverteilen, unseren Müll reduzieren. Wir könnten große Fortschritte in Richtung einer Kreislaufwirtschaft machen, in der Rohstoffe über den Lebenszyklus einer Ware hinaus über Recycling wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen. Wir könnten Armut und Hunger reduzieren.

Q: Welche Zukunftsprognose halten Sie für falsch?

A: Dass Technologie, vor allem High Tech, uns retten kann. Wir wissen, dass es in Zukunft quasi unmöglich sein wird, High Tech-Lösungen, wie wir sie heute kennen, weiter auszubauen, denn die dafür nötigen Rohstoffe sind begrenzt und viele Komponenten lassen sich nicht recyceln. Also müssen wir „Low Tech“ denken, uns mäßigen, Alternativen finden. Der Umweltschützer Pierre Rabhi nennt das „glückliche Genügsamkeit“.

Q: Gibt es trotzdem eine technische Errungenschaft, die Sie begeistert?

A: Ich stehe der Technologie generell sehr ambivalent gegenüber. Ich liebe und verabscheue sie. Interessant klingt das Ocean Cleanup-System, das der junge Niederländer Boyan Slat gerade entwickelt um die Meere von Plastikmüll zu reinigen. Doch das ist wie gesagt noch in Arbeit.

Q: Was ist die wichtigste Fähigkeit, die ein Kind heute lernen muss?

A: Die Fähigkeit zu entdecken, wer es ist. Für ein Kind ist es heute wichtiger als je zuvor, seinen Platz zu finden, sich für etwas zu begeistern, zu verstehen, wie es seine Talente dazu nutzen kann, der Gemeinschaft zu helfen. Um die Probleme zu lösen, die uns bevorstehen, brauchen wir talentierte, leidenschaftliche und kreative Persönlichkeiten – Fähigkeiten, die wir entwickeln können, wenn wir tun, was wir lieben.

Referenzen