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Esskultur

5 inspirierende Gastrotrends aus Down Under

Kein Restaurant auf australischem Boden kann mit einem Michelin-Stern glänzen und auch sonst hat das Land bislang wenig zur kulinarischen Landkarte beigetragen. Doch langsam wandelt sich Australien zur Foodie-Destination. Gesundes Fast Food, neue Geschmacksfusionen und superexotische Regionalküche sind einige der vielversprechenden Gastrokonzepte, die auch in Europa groß werden könnten.

1 Sushi-Burrito

© Subu Sushi Burrito

Was bekommt man, wenn man Sushi mit einem Burrito kombiniert? Einen Sushi-Burrito. Diese Verbindung aus zwei der beliebtesten Gerichte der westlichen Welt ist momentan einer der größten Foodtrends unter jungen Australiern. Er kombiniert die gesunden Zutaten des Sushi mit dem praktischen Format eines Burritos. Durch diese Eigenschaften trifft er das wachsende Gesundheitsbewusstsein junger Konsumenten und die Nachfrage nach To-Go-Lösungen für einen aktiven Lifestyle. Darüber hinaus ist er günstig und unbedenklich, wenn es ums Kleckern geht: Das stabile Nori-Blatt hält die Rolle zusammen und der Reis dämmt die heimtückischen Saucen ein. Der Sushi-Burrito ist einfach zuzubereiten und erlaubt unzählige Variationen, wodurch er sich größter Beliebtheit erfreut.

2 Premium-Fastfood

© Guzman & Gomez

Über den Burrito hinaus bietet die Taqueria Guzman & Gomez eine umfangreiche Palette mexikanischer Köstlichkeiten. Auf dem Trend von Bio- und Premium-Fastfood surfend, hat die Taqueria-Kette Australien im Sturm erobert. Die Gründer legen großen Wert auf die Qualität und Regionalität der Zutaten. Alle Restaurants beziehen ihre Zutaten aus der Region und unterstützen nachhaltige Produzenten. Guzman & Gomez haben angefangen, das Image von Fastfood zu verändern; fernab von uninspirierten Burger-Läden, die die Gastronomielandschaft überschwemmen. Fastfood, das vor allem mit Industrieware, Fett, und Konservierungsstoffen assoziiert wird, findet zurück zu seinen Wurzeln: schnell zubereitete, frische und vitaminreiche Speisen für eine unkomplizierte, ausgewogene Ernährung.

3 Unsere kleine Bio-Farm

© The Farm 

Einige Produzenten wollten jedoch nicht auf den Messias in Form einer weltverbesserischen Restaurantkette warten und gründeten stattdessen autonome Kollektive. Ein gutes Beispiel, wie Landwirte sich emanzipieren, ist ‘The Farm’, unweit des bekannten Urlaubsortes Byron Bay. Dieser Bauernhof ist ein multisensorisches Erlebnis, das seinen Besuchern das komplette Programm bietet: Lehrpfad, trendiges Café und Restaurant, Hofladen und einige andere Geschäfte, die trendige Produkte aus den Erzeugnissen des Hofs verkaufen. Der stinkende Bauernhof aus Kindertagen hat sich in ein hippes Mekka für gesundheitsbewusste Großstadtbewohner verwandelt.

4 Revival der Aborigine-Küche

© Orana

Dabei sollten wir im Gedächtnis behalten, dass das Land, auf dem der Bauernhof gegründet wurde, nicht immer den Einwanderern aus Europa gehörte. Obwohl es in der Vergangenheit oft verdrängt wurde, besitzt Australien eine reiche präkoloniale Geschichte. Die Aborigines, die schon lange vor den ersten Weißen als Nomaden in diesem Land lebten, haben eine besondere Verbundenheit zur Natur und ein kulturelles Erbe, das Gefahr läuft vergessen zu werden. Der australische Koch Jock Zonfrillo belebt in seinem Restaurant Orana in Adelaide wieder die Esskultur der Aborigines. Er serviert Gerichte, die Australiens kulinarische Geschichte in Ehren halten, einheimische Zutaten feiern und die Beziehung zwischen Erzeugnis und Land respektieren. Seine selbstauferlegte Mission ist es, Australiens moderne Gastro-Identität mit vergessenen Zutaten wie Emu, grüner Ameise, vergorenen Bunya-Nüssen oder Honigtau neu zu definieren.

5 Food Precincts

© Tramsheds

Anders als die Fressmeilen, die wir aus größeren Einkaufszentren kennen, sind Food Precincts (“Essbezirke”) eine Anhäufung spezialisierter, hochwertiger Nahrungsmittelhersteller. Sie schaffen ein kulinarisches Umfeld, in dem Besucher dazu eingeladen werden neue Dinge auszuprobieren und Spezialitäten aus unterschiedlichen Küchen zu kombinieren. In einem solchen Food Precinct verschwimmen die Grenzen zwischen Laden, Restaurant und öffentlichem Raum. Food Precincts sind Orte, an denen man gutes Essen mit Gleichgesinnten in einem ansprechenden Umfeld feiern kann. Die ‘Tramsheds’ in Sydney haben heruntergekommene Bahnhallen zu einem der angesagtesten Food Precincts in Australien aufgewertet.

Es passiert eine Menge in der australischen Gastroszene, aber welche Trends haben das Potenzial, den Sprung nach Europa zu schaffen? Der Sushi-Burrito wird auf jeden Fall ein Thema sein, da Sushi bereits in vielen europäischen Ländern beliebt ist. So wurde Europas erster ‘Subu’ Truck bereits in Hamburg gesichtet. Durch die Vorzüge des Burrito-Formats wird Sushi noch beliebter werden. Eine Taqueria wie Guzman & Gomez wird es wahrscheinlich auch bald in Europa geben, da der gastronomischen Landschaft gesunde Impulse im niedrigpreisigen Fastfood-Sektor fehlen. Das Konzept von ‘The Farm’ könnte wiederum eine Lösung für kleinere Bauernhöfe sein, die Schwierigkeiten haben, im Wettbewerb mit den großen Industriebetrieben zu bestehen. Nachahmer können wir daher in naher Zukunft erwarten. Ein australisches Aborigine-Restaurant könnte auch in Europa funktionieren. Jedoch ist eine Expansion der australischen Küche ins entfernte Europa unwahrscheinlich, solange australische Köche noch dabei sind die kulinarische Identität ihres Landes zu definieren. Jedoch können wir davon ausgehen, dass auch hier regionale Spezialitäten mit neuem Leben gefüllt werden, die lange in Vergessenheit geraten waren. Da ein Food Precinct lediglich ein Format ist, das von den Gastronomen lebt, die es mit Inhalt füllen, ist es mehr als wahrscheinlich, dass solche Orte auch in Europa entstehen. Erste ähnliche Konzepte sehen wir in Berlin (Markthalle Neun) oder Esslingen (Alte Zimmerei). Die Rindermarkthalle in Hamburg erinnert auch stark an dieses Konzept, lässt allerdings die mühelose, authentisch-hippe Atmosphäre vermissen. Es gibt eine Menge ehrgeiziger und innovativer Gastronomen in Europa, die in den Startblöcken warten. Die Zukunft sieht vorzüglich und ein kleines bisschen australischer aus!