© Marina Machauer

Ess- & Trinkkultur

Authentisches Convenience-Food

Handgemachtes aus dem Automaten? Diesen Widerspruch versucht eine Reihe neuer Produkte auf der Gastronomiemesse INTERNORGA aufzulösen. Convenience ist ebenso Trend wie der Wunsch nach dem Ursprünglichen. Wir stellen die Messehighlights vor.

Artisan Food

Essen wie auf unserer kleinen Farm: Heukartoffeln © Marina Machauer

Alte Getreidesorten, traditionelles Handwerk, regionale Spezialitäten: Beim Essen sehnen wir uns nach dem Echten, Unverfälschten. Viele Produkte auf der INTERNORGA betonen ihre authentische Herstellung. Kartoffeln werden auf dem Heubett serviert, Gewürzmischungen aus aller Welt kommen als Mamas Geheimrezept daher, selbst Cola gibt sich urtümlich: Gewara ist nach kubanischem Originalrezept von 1928 gebraut, gar nicht mal so ungesund aus Wasser und Bio-Agavensirup.

Automatisierung

Geschüttelt oder gerührt? Die cocktail-box spritzt den Martini aus der Düse. © cocktail-box

Auf der anderen Seite im Spannungsfeld Convenience und Handmade steht der Trend zum Automaten. Das Essen bereitet die Maschine zu, doch was drin steckt, soll transparent sein – und gesund. So kann der Teetrinker den kompletten Brauprozess im Tea Fusion-Automaten von Lipton durch die gläserne Front und Karaffe verfolgen. Der Soupster-Automat bietet Instantsuppen aus reinem Gemüsepulver. Selbst der Bartender wird zur Maschine: Die mobile cocktail-box wird über ein Display bedient und mixt Drinks in wenigen Sekunden.

Alles so grün hier

Gemüse im Knabberformat: © my CHIPSBOX

Gemüse ist auf der INTERNORGA omnipräsent: frischgepresst als kalte Gemüsesuppe oder unbehandelter Saft, direkt aus der Pflanze gewonnen. Smoothies und kaltgepresste Säfte aus Grünkohl, Spinat, Gurke & Co. versprechen Vitaminbomben und Genuss wie selbstgeerntet. Nicht frisch, aber gesünder als Erdnussflips sind die neuen Gemüse-Snacks: Chips aus Wirsing, Roter Beete oder Zucchini gibt es zum Beispiel von my Chipsbox oder The Better Chip.

Vernünftig unvernünftig

Exzess ist erlaubt – es gibt ja ein Gegenmittel: ©Konterbrause

Fleisch soll regional und Freiland sein, das Essen keine schädlichen Zusatzstoffe enthalten, dafür viel Protein und Grünzeug. Doch die Grillsaison naht und die Wurst ist des Deutschen liebstes Gemüse. Grillido kombiniert gleich eine Handvoll Food-Trends. Aus zertifiziertem süddeutschen Qualitätsfleisch, von Sterneköchen freigegeben, angereichert mit Eiweiß, Spinat und Feta will das neue Grillgut „das Eiweiß-Shake in Wurstform“ sein. Und wer beim Angrillen zu tief in die Craft Beerflasche geschaut hat, gönnt sich am nächsten Tag eine Konterbrause. Die Antikater-Limo soll mit Elektrolyten und Vitaminen den Kopfschmerz ganz einfach wegspülen.

Vegan, fair, kompostierbar

Selbst Einweggeschirr wird nachhaltig: © Marina Machauer

Idealismus beim Essen bleibt Trend, selbst für den Nachwuchs gibt es vegane Kindersnacks ohne Gelatine. Selbst Produkte, die von Natur aus vegan sind, wie Smoothies und Säfte, werden als solche vermarktet. Vegan bis zur Verpackung ist der neue Energydrink vegalino, der in Kooperation mit PETA entwickelt wurde und ohne Zucker, künstliche Farbstoffe, Aromen und Konservierungsstoffe auskommt. Eine Antwort auf die Verpackungsflut mit hochwertigem Look bietet Einweggeschirr aus Bambus oder Zuckerrohr von SD Trading.

Big Data in der Gastronomie

Kaffee wird quantifizierbar: © Connected Molecules

Totale Kontrolle über den Kaffee. Stimmt die Temperatur der Milch? Sitzt der Becher schief? Connected Molecules verbindet Getränkeautomaten mit dem Internet. So erfahren Hoteliers und Gastronomen, welche Getränke sich wo am besten verkaufen, wie oft das Gerät vom Personal gereinigt wird und wie zuverlässig die Maschine arbeitet. Auch Vorsorgemaßnahmen empfiehlt das System, damit es nicht zu Ausfällen kommt.

Fotos

© Marina Machauer, cocktail-box, my CHIPSBOX, Konterbrause, Connected Molecules