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Transparenz statt Anonymität

Blockchain im Wandel

Die Suche nach Anonymität, Vertrauen und Transparenz führte nach der globalen Finanzkrise zum Hype der Technologie hinter Krypto-Währungen wie Bitcoin. Doch wie geht es weiter mit Blockchain? Wird die dezentrale Nutzerkontrolle doch durch zentralisierte Macht von Unternehmen und Staaten ersetzt? Oder entzaubert die Anwendung ihren Zauber?

Wenn es ein Wort gab, an dem 2018 niemand vorbeikommen konnte, dann war es Blockchain. Dafür hatte die Kryptowährung Bitcoin gesorgt, die im Januar 2019 bereits ihr Zehnjähriges gefeiert hat. Dank ihres Höhenflugs bis Ende 2017 ist diese digitale Währung die bekannteste und wertvollste unter den mittlerweile 4500 Anbietern (Stand 2018), die zur deutlichen Popularisierung des bereits in den Neunzigerjahren beschriebenen Blockchain-Verfahrens beigetragen hat.

Die hohe Anziehungskraft von Bitcoin und Blockchain wird auf die damit verbundenen Eigenschaften zurückgeführt, die dem Internet durch Monopolisierung und Big Data verloren gegangen sein: Die am meisten diskutierten sind dabei Dezentralisierung, Anonymität, Vertrauen und Sicherheit.

Vertrauen by design

Die Schaffung von Vertrauen liegt in dem kryptografischen Verfahren der Blockchain begründet. Es handelt sich also um ein strukturelles Vertrauen. Denn ein großes Netzwerk aus aktiven Nutzern überprüft und bestätigt jede Transaktion, bevor sie in einem Datensatz – einem sogenannten „Block“ – dokumentiert wird. Zudem sind die Blöcke durch ein kryptografisches Verfahren miteinander verkettet: Spätere Transaktion bauen auf früheren auf, die als richtig bestätigt werden müssen, indem die Kenntnis der früheren Transaktionen bewiesen werden muss. Daher gilt die Blockchain als manipulationssicher.

Verkettete Nutzerbestätigungen steigern das Vertrauen in die Transaktionen.

Zurück zur Zentralisierung von Macht?

Folglich stellen Bitcoin und andere Kryptowährungen, die mit Blockchain arbeiten, eine Möglichkeit dar, unabhängig von Staaten und Banken globale Transaktionen sicher durchzuführen. Es kümmert sich keine dritte, unabhängige Institution um das Geld – wie der Staat oder Bank –, sondern es sind die Nutzer selbst, welche die Blockchain führen. Daher ist es sicherlich kein Zufall, dass Bitcoin erstmals innerhalb der Weltfinanzkrise aufkam, die das Vertrauen der Menschen in traditionelle Institutionen erschüttert hatte. Dieser Aspekt erfährt jedoch zunehmend Einschränkungen, weil die für die Blockchain erforderliche hohe Rechenleistung zentralisiert wird, wie beispielsweise durch das chinesische Unternehmen Bitmain.

Anonymität gibt es nicht

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Blockchain auch durch die anonyme Nutzung von Kryptowährungen, weil Transaktionen nur mit verschlüsselten Buchstaben- und Zahlenkombinationen vorgenommen werden. Besitz und Handel sind folglich nicht an Klarnamen, E-Mail-Adressen oder andere persönlichen Angaben gebunden, sondern lediglich an zufällig generierte Adressen: sogenannten Public Keys und Private Keys.

Wurden Kryptowährungen – vor allem Bitcoin – dadurch einige Zeit mit dem Darknet und illegalen Geschäften assoziiert, etablierten sie sich schnell zu einem alternativen Zahlungs- und Anlagemittel, was an dierasanten Wertsteigerung bis Ende 2017 gekoppelt war. Darüber hinaus ist mit dem steigenden Bewusstsein für Big Data zuletzt das Bedürfnis gewachsen, die identitätsstiftenden Datenströme eigenmächtig zu kontrollieren bzw. zu vermeiden. Doch scheint diese Bedingung im Zuge der Normalisierung von Kryptowährungen zu erodieren. Denn um beispielsweise ohne Mühe und Vorwissen seine Private und Public Keys zu verwalten, greifen viele Nutzer auf Online Wallets (oder Hot Wallets) zur Verwaltung ihrer ‚Schlüssel‘ zurück. Damit ist eine Verifizierung der Nutzer bei der Kontoeröffnung vorausgesetzt.

Das Gleiche gilt, wenn Kooperationen mit Banken eingegangen werden wie zum Beispiel die Zusammenarbeit von bitcoin.de und der Direktbank Fidor. Geschieht das mit dem Einverständnis der Nutzer, wird der Anonymität in China jedoch von staatlicher Seite ein Riegel vorgeschoben. Dort müssen sich Unternehmen seit Februar 2019, die mit Blockchain arbeiten, bei der Cyberspace Administration of China (CAC) registrieren und die Daten ihrer Nutzer melden. Eine ganz andere Gefahr für die in der Blockchain verschlüsselt gespeicherten Daten ist die steigende Rechenleistung von Computern, wodurch Informationen von außen besser entschlüsselt, analysiert und ausgewertet werden können „Quantum computing could break the blockchain“, konstatiert Kiran Bhagotra in Wired und hofft daher auf eine Kombination beider Techniken:

 „Although quantum computing seems to undermine the security of the blockchain, the answer could be to combine the two technologies and create a better whole.“

Mehr Transparenz und Effizienz

Die wachsende Akzeptanz von Blockchain und Kryptowährungen führt dazu, dass Technik und Anwendung in bestehende gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Strukturen sowie Standards eingefügt werden und ursprüngliche Eigenschaften verloren gehen. Durch die aktuelle Popularität der Blockchain werden neben staatlichen Digitalwährungen weitere Einsatzfelder erprobt, bei denen nicht mehr Anonymität und Dezentralität von Dritten das große Versprechen sind, sondern Transparenz und Effizienz. Ein gemeinsamer Nenner bleibt das Vertrauen in die Manipulationssicherheit der Blockchain. Beispielsweise arbeitet Walmart mit IBM Food Trust zusammen, um die Lieferketten von Nahrungsmitteln sicherer und effizienter zu gestalten, indem sämtliche Beteiligten Blockchain nutzen. Vergleichbar ist der Gebrauch von Blockchain in der Textilindustrie, wodurch die Entstehung und der Transport eines Kleidungsstücks verfolgt werden kann. Ebenso wird Blockchain im Kunstmarkt getestet, um dadurch eine lückenlose Provenienz von Kunstwerken zu gewährleisten, oder auch anteilig Kunstwerke zu besitzen. Blockchain als schnelle Zahlungsmöglichkeit im Bereich e-Commerce wird ebenfalls erprobt.

Die Langeweile der Usability

Aufgrund solcher und anderer Experimentierfelder lautet ein Titel auf MIT Technology Review auch: „In 2019, blockchains will start to become boring“. Doch das Verfahren werde auch nützlicher. Die Regelung, welche persönlichen Informationen zur Nutzung relevant sind, obliegt den Programmierern der jeweiligen Blockchain. Unternehmen werden darauf sicherlich nicht verzichten wollen. Daher zeigt die Entwicklung auch, dass die Möglichkeit über die eigenen Daten selbstbestimmt zu walten, nicht allein mit Technik befriedigt werden kann.