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Zeichen der Zeit

Der schwarze Hoodie

Er bietet Schutz vor Kälte und Wind, ist als Arbeits- und Sportkleidung beliebt und innerhalb der Jugend- und Straßenkultur ebenso fest verankert wie im Silicon Valley: der Kapuzenpullover. Doch nicht erst seit den Ausschreitungen zum G20-Gipfel in Hamburg hat das Kleidungsstück ein kompliziertes Image – insbesondere in der Farbe Schwarz.

Die Vorteile des Kapuzenpullovers sind schnell aufgezählt: Er ist günstig zu haben, sitzt leger, verhüllt den Körper mehr, als er ihn betont. Die Kapuze mit Schnüren schützt den Kopf bei ungünstigen Wetterlagen, eine aufgenähte Bauchtasche wärmt zusätzlich die Hände. Zuhause getragen ist der Hoodie eine bequeme Höhle, die den Kopf bedeckt und das Gesicht im Ansatz verhüllt. So kommuniziert der Träger des „hooded sweatshirts“ eine bewusst gewählte Distanz zur Umgebung. Beim Sport oder bei der Arbeit im Freien mag diese Trageform ausschließlich zweckgebunden sein. Doch auf der Straße erschwert das nach innen gerichtete ‚Für-sich-sein-Wollen’ Außenstehenden eine klare visuelle Identifikation – sie können ihr Gegenüber schlecht einordnen. Zutritt verboten. Jugend- und Subkulturen profitieren von dieser „devianten“ Wirkung und drücken damit ihren Widerspruch mit der herrschenden Klasse aus. In der Gruppe getragen, schafft der Kapuzenpullover darüber hinaus ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und steht hier auf einer Linie mit anderen Moden.

Trotz der mittlerweile grenzen- und klassenlosen Popularität des Kapuzenpullovers wurde das Kleidungsstück vor allem in England und in den USA als Stigma für einen nonkonformen und vor allem kriminellen Lebensstil debattiert. Wer einen Kapuzenpullover außerhalb anerkannter Bezugsräume trägt, steht unter Generalverdacht, so der Tenor. Diese diskriminierende und rassistische Perspektive rückte in den USA nach dem Tod des 17-jährigen Trayvon Martin wieder in den Fokus und führte zu einem „Hoodie Movement“, das den Kapuzenpullover zum antirassistischen Symbol machte.

Der schwarze Hoodie baut die Distanz zur Umwelt, die grell, laut und bunt ist, durch die Kombination mit der Nicht-Farbe weiter aus. Schwarz steht in der westlichen Gesellschaft für „Trauer und Tod, für Demut ebenso wie für eine Abwendung vom Weltlichen, für das Schlichte, das Strenge und das Machtvolle“, schreibt Diana Weis in „Cool Aussehen“ im Zusammenhang mit der schwarzen Lederjacke. Folglich wird schwarze Oberbekleidung mit dem französischen Existenzialismus ebenso verbunden wie mit Punks, Goths, Steve Jobs oder Extremisten. Die Wirkung des Kapuzenpullovers ist immer abhängig vom jeweiligen Kontext. Dieser uneindeutige Gebrauch zeigte sich auch beim G20-Gipfel in Hamburg. Der schwarze Hoodie wurde hier hauptsächlich als Kleidungsstück für Vandalen und Gewalttäter identifiziert und entsprechend negativ betrachtet. In der Gruppe getragen, wirkte der Kapu wie eine Uniform, eine Art Baumwollrüstung der Straße. Doch grundsätzlich ist der schwarze Hoodie nur der Grundstoff für eine unbestimmte kräftige Aussage – ob nun ästhetisch oder politisch motiviert.