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Homo Deus von Yuval Noah Harari

„Homo Deus: Eine Geschichte von Morgen“ (2016) wirft einen Blick auf die Zukunft der Menschheit. Anhand der großen evolutionären, geistigen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Vergangenheit versucht Yuval Noah Harari vorherzusagen, was die Digitalisierung und die Entstehung der künstlichen Intelligenz in der Zukunft mit der Menschheit anstellen wird. Das Buch ist gleichsam ein Aufruf, diese Zukunft selbst mitzugestalten. In Kooperation mit Blinkist fassen wir die wichtigsten Thesen aus Hararis Bestseller in drei kurzen Blinks zusammen.

Yuval Noah Hararis erstes Buch Eine kurze Geschichte der Menschheit beschrieb die zahlreichen Entwicklungen, die unsere Spezies in der Vergangenheit durchlebt hat, um die Herrschaft über unseren Planeten zu übernehmen. Homo Deus – Die Geschichte von Morgen ist die Fortsetzung, in der nun die Prognose gewagt wird, welche großen Ereignisse und Entwicklungen wohl in der Zukunft auf uns warten.

Religion und Ideologie haben eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft gespielt. Es ist gut möglich, dass wir in der Zukunft, wenn Algorithmen intelligentere Entscheidungen treffen als wir, der Religion des Dataismus angehören werden. Dadurch wird unsere Gesellschaft sich grundlegend verändern und langfristig vielleicht das Ende der Menschheit einläuten.

Algorithmen bestimmen unsere Gesellschaft

Wir können davon ausgehen, dass Computer in der Zukunft intelligenter sein werden als wir und dadurch die Macht über uns gewinnen. Was werden sie dann mit uns anstellen und was wird die Digitalisierung noch alles hervorbringen?

Dank der Entwicklung von künstlicher Intelligenz werden viele Berufe in der Produktion, die derzeit von Menschen ausgeführt werden, vollkommen unnötig werden. Was tun wir mit all jenen, die dann keine Arbeit und Beschäftigung mehr haben? Zwar wird es genügend Nahrungsmittel und Konsumgegenstände geben, um alle zu versorgen, aber woher sollen Milliarden von Menschen das Geld bekommen, um diese zu erwerben, wenn ihre Arbeitskraft überflüssig ist? Sie könnten dazu genötigt werden, Drogen und Computerspiele zu verkaufen. Oder ein noch drastischeres und schwärzeres Szenario wäre, dass sich die KI selbst der für sie „nutzlosen“ Menschen schnellstmöglich entledigt.

Doch nicht nur auf dem Arbeitsmarkt werden Menschen zunehmend an den Rand gedrängt. Schon jetzt werden wir zunehmend von Computeralgorithmen ersetzt, und zwar, weil wir uns wünschen, dass Aufgaben schnell, effizient und zuverlässig ausgeführt werden. Schauen wir uns nur den Finanzhandel an: Einst wurde er von Finanzexperten kontrolliert, heute haben Mikrochips übernommen.

Die Macht verschiebt sich also schon heute, ganz unauffällig und aufgrund zahlloser einzelner, scheinbar harmloser und individueller Entscheidungen zu den Systemen, die über die meisten und besten Daten verfügen.

Technologien werden immer mehr Entscheidungen für uns treffen. Daher könnten wichtige Player in dem zukünftigen Machtgefüge Datenriesen und Technikkonzerne wie Google, Facebook, Amazon oder Apple werden. Durch ihre Systeme und Produkte wissen sie tatsächlich jetzt schon genau über unser Leben Bescheid.

Gut möglich, dass du in einigen Jahren Google fragen wirst, ob du Peter oder besser Paul heiraten solltest, weil Google dich und die beiden besser kennt als irgendjemand sonst. Eine Studie aus dem Jahr 2015 von drei Forschern der Cambridge-Universität ergab, dass ein Facebook-Algorithmus anhand von 300 „Likes“ bereits in der Lage ist, die Antworten einer Person auf einem Persönlichkeitsfragebogen besser vorauszusagen als der Ehepartner der Person.

Wenn der Mensch also in der Zukunft seinen Platz immer mehr mit den von ihm selbst geschaffenen Technologien teilen muss und der Humanismus ausgesorgt hat, welche neue Ideologie könnte das Vakuum unserer dabei abhandenkommenden Glaubenssysteme auffüllen und dem Leben unserer gottgleichen Nachkommen wieder Sinn verleihen?

Techno-Humanismus als neue Ideologie

Techno-Humanismus bedeutet, dass Menschen mithilfe der Technik den sogenannten Homo Deus erschaffen werden, ein Wesen, das menschliche und technisch optimierte Fähigkeiten kombiniert. Wir hätten es somit mit einer aktualisierten oder erweiterten Variante des evolutionären Liberalismus zu tun.

Wie wird der Homo Deus konkret aussehen?

Die Technik wird uns vermutlich in der Zukunft bisher unbekannte mentale Zustände ermöglichen.

Bisher haben Psychologen fast ausschließlich psychisch kranke Menschen untersucht, aber Geisteszustände durch Meditation oder Drogen ignoriert, ganz zu schweigen von den Geisteszuständen der Tiere. Gentechnik, Elektroden und andere Schnittstellen könnten uns diese Zustände aber schon bald zugänglich machen. Die legendäre Ausgeglichenheit eines buddhistischen Mönchs in der Meditation ist vielleicht bald nur einen Knopfdruck entfernt.

Wenn wir unsere Körper mit Technologien verschmelzen lassen, können wir selbst so genau wie Algorithmen werden. Und das passiert sogar schon: Die US-Armee entwickelt derzeit einen Aufmerksamkeitshelm. Er sendet elektrische Signale an bestimmte Areale im Hirn, wodurch die Soldaten sich besser auf konkrete Aufgaben konzentrieren und im Ernstfall schnellere Entscheidungen treffen sollen. Aber wo bleibt die Empathie und der menschliche Zweifel?

Wenn wir anfangen, nur in Technologien zu investieren, die bestimmten ökonomischen oder politischen Zwecken dienen, laufen wir natürlich Gefahr, dass wir unser Wesen und unsere Menschlichkeit verlieren. Und wenn wir versuchen, unseren Geist zu upgraden und das Bewusstsein 2.0 zu erlangen, wäre es gut möglich, dass wir uns etwa intelligenter und kommunikativer machen, aber Fähigkeiten, die uns Menschen ausmachen, wie Empathie, Achtsamkeit oder unsere Neigung zum Träumen, unter den Tisch fallen und der Mensch dadurch zu einem anderen Wesen wird.

Aber auch für den Techno-Humanismus ist der menschliche Wille der Nagel, an dem das Universum hängt. Was, wenn wir durch Technik unsere Wünsche manipulieren können und die inneren Stimmen in unserem Kopf nach Belieben lauter oder leiser stellen können? Der Techno-Humanismus hat hierfür keine andere Autorität als den Menschen selbst.

Eine andere mögliche Strömung hingegen ersetzt den Menschen als zentrale Autorität völlig durch etwas anderes: die Information.

Dataismus löst den Menschen ab

Datenreligion oder Dataismus geht im Gegensatz zum Techno-Humanismus davon aus, dass die Menschen ihre kosmische Aufgabe beendet haben und jetzt das Zepter an die Algorithmen übergeben sollten. Laut Dataismus ist alles, was existiert, entweder selbst Datenmaterial oder eine Methode zur Datenverarbeitung, wodurch die Grenze zwischen Lebewesen und Maschinen eingerissen wird.

Diese Sichtweise ist heute schon fest in der Biologie und der Computerwissenschaft verankert. Die Auffassung, dass Tomaten und Giraffen nur unterschiedliche Methoden der Datenverarbeitung sind, ist gängige wissenschaftliche Lehre. Der Dataismus entzieht allerdings dem Homo sapiens seine Daseinsberechtigung, denn aus dataistischer Sicht betrachtet, hat jede bedeutsame Entwicklung der Menschheit – wie Sprache, Schrift oder Geld – nur das Ziel gehabt, die Komplexität der Kooperation und damit die Freiheit der Informationen und Menge der Daten, die verarbeitet werden können, zu erhöhen.

Wenn der Dataismus von einer Theorie zu einer Ideologie wird, entwickelt er Werte zur „Verbesserung“ des Systems, allen voran den freien Informationsfluss. Tatsächlich lässt sich beobachten, dass es vielen Menschen besser geht, je mehr freie Informationen zur Verfügung stehen – daher ist diese Forderung im Kern eigentlich nicht schlecht.

Bevor es aber soweit ist, dass wir den Ergebnissen dieses Systems mehr vertrauen als uns selbst, sollten wir uns Gedanken darüber machen, ob wir das wirklich wollen. Die dataistische Revolution bedeutet nämlich, dass unsere Gefühle keine Bedeutung haben, sondern lediglich viel zu langsame chemische Reaktionen, die in der globalen Datenverarbeitung keine Rolle mehr spielen. Mit diesem Denksystem würden wir nie mehr auf unsere Gefühle, sondern auf bessere Algorithmen hören.

Aber wenn die Welt ein Datenverarbeitungssystem ist, was ist ihr Output? Ganz einfach: ein noch effizienteres Datenverarbeitungssystem. Wir sehen, wie dies jetzt gerade mit dem Internet der Dinge entsteht. Wenn wir diese Entwicklung zu Ende denken, wird der Mensch überflüssig sein, sobald Algorithmen bessere datenverarbeitende Prozesse erschaffen können – und eventuell für immer verschwinden.

Yuval Noah Harari: Homo Deus. Eine kurze Geschichte von Morgen. C.H. Beck Verlag, 2017

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