© Photo Carrotmob

Lunch Beat, Carrotmob, Shirtmob – Flashmobs gehen in die nächste Runde

Flashmobs haben die meisten von schon einmal gesehen; wenn nicht live und hautnah, dann doch zumindest im Internet oder in einem Fernsehbericht. Und wie so viele Trends entwickelt auch dieser sich weiter – als „Lunch Beat“, „Carrotmob“ oder „Shirtmob“. Damit man in dieser Vielzahl neuer Mobs nicht die Übersicht verliert, wollen wir an dieser Stelle einige davon vorstellen.

Sie treffen sich seit neuestem gemeinsam in der Mittagspause: Beim „Lunch Beat“ kommen die Berufstätigen aus ihren Büros, um gemeinsam den Mittags-Hunger zu stillen, aber auch – viel wichtiger – ,um zusammen den Tag zur Nacht werden zu lassen, eine Clubatmosphäre zu schaffen und bei einer Stunde gemeinsamen Tanzens den Alltagsstress kurz hinter sich zu lassen.

In einer Garage in Stockholm hat dieses Konzept seinen Anfang genommen und es erfreut sich seither einer immer größer werdenden Popularität. Das monatlich stattfindende Event wurde von Stockholm aus in weitere schwedische Städte und daraufhin nach Wien, Hamburg, Berlin, Amsterdam und Manchester verbreitet –aktuell hat es sogar den Sprung in die USA geschafft. Eine bunte Mischung von bis zu 600 Menschen nimmt in Stockholm einmal monatlich die Möglichkeit wahr, die Mittagspause mit dieser Party zu verbringen. Das lockere Zusammensein gehorcht nur einigen wenigen Regeln. Die wichtigste davon: Befindet man sich zum ersten Mal auf einem Lunch-Beat, ist es Pflicht, zu tanzen – beim zweiten, dritten und vierten Mal auch. Zudem ist das Gesprächsthema „Arbeit“ auf diesem Event unerwünscht. Für viele ist dies eine willkommene Abwechslung und oft die einzige Möglichkeit, während einer regulären Arbeitswoche ein bisschen feiern zu gehen.

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Auf der offiziellen Webseite www.lunchbeat.org wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass jeder dieses Konzept frei kopieren und verbessern darf, solange die Veranstaltung öffentlich und nicht gewerblich ist. Es wird jedoch darum gebeten, das Event auf der Lunch-Beat-Seite zu teilen. So kann auch jeder sehen, wann der nächste Lunch Beat in der Umgebung stattfindet.

Darüber hinaus etablieren sich als Weiterentwicklung des Flashmob-Gedankens die sogenannten Smartmobs. Initiiert wurde dieses Phänomen von Bill Wasik, dem Chefredakteur des Wired Magazine (und ehemalig beim Harper’s Magazine tätig). Bei Macy’s in Manhattan versammelte er eine Schar von etwa einhundert Menschen in der Möbelabteilung. Auf die verdutzten Blicke der Verkäufer hin erklärten sie, man sei auf der Suche nach einem „Liebesteppich“ für das Lagerhaus, in dem sie alle zusammen wohnten. Durch diese Wohngemeinschaft könnten Kaufentscheidungen grundsätzlich nur im Kollektiv getroffen werden – sehr zur Verwirrung von Verkäufern und ahnungslosen Kunden.

Ein Smartmob hat laut Definition immer eine weltanschauliche oder politische Botschaft, wohingegen diese beim Flashmob fakultativ ist. Für Bill Wasik hatte der erste so bezeichnete Smartmob allerdings einen ungeplanten Nebeneffekt: Sein primäres Ziel war es, die Manipulierbarkeit von sozialen Gruppen zu demonstrieren, vor allem die von, wie er sagt, „ach so individuellen Hipstern, die nur danach streben, Teil einer breiten Massenbewegung zu sein.“ Seiner Meinung nach bilden die Hipster mittlerweile selber eine so breite Masse, in der niemand mehr mit Individualität glänzen kann. Mit seiner Aktion hat Wasik sich ironischer Weise dann selber zum hippen Trendsetter gemacht.

Doch Flash- und Smartmobs funktionieren nicht ausschließlich über den Mechanismus des erhobenen Zeigefingers. Eine Unterkategorie der Smartmobs, der sogenannte Carrotmob, will die Marktwirtschaft vielmehr im Zuge einer konkreten Aktion zu nachhaltigerem Verhalten erziehen. Ihren Beginn fand diese Form des Flashmobs in San Francisco. Nach seinem Abschluss an der Universität Stanford und einigen beruflichen Aktivitäten, unter anderem bei Google oder The Go Game, hat Brent Schulkin diese Form des Flashmobs ins Leben gerufen. Er hatte einem Lebensmittelgeschäft versprochen, alle Mitglieder seines selbst kreierten Verbrauchernetzwerkes zu mobilisieren, an einem bestimmten Tag in diesem Geschäft einzukaufen. Im Gegenzug dazu verpflichtete der Besitzer sich, einen Teil des Tagesumsatzes in einen ökologisch nachhaltigeren Umbau zu investieren. Generell besteht der Sinn von Carrotmobs darin, Firmen und Geschäfte nachhaltiger zu machen – der Umwelt zuliebe, aber auch, um besonders kleine Firmen kosteneffizienter zu machen. Ein Carrotmob besteht in der Regel aus drei einzelnen Schritten: Zu erst müssen die Organisatoren sich mit einem Geschäft in Verbindung setzen und eine Vereinbarung treffen. Dann werden Carrotmobber dazu mobilisiert, in diesem Geschäft Geld auszugeben, welches die Firma im dritten Schritt für den vereinbarten Zweck ausgibt. Weltweit hat es schon weit mehr als zweihundert Carrotmobs gegeben. Jetzt soll diese Aktionsform, die sich bisher eher auf kleine, regional agierende Firmen beschränkte, sich auch auf größere Firmen ausweiten. Nach ein paar Startschwierigkeiten ist diese neue Protestform auch in deutschen Städten angekommen.

Den Namen „Carrotmob“ bekam die Aktionsart übrigens aufgrund eines Sprichwortes: „Es gibt zwei Wege, einen Esel zum Laufen zu bringen: Entweder man hält ihm eine Karotte vor die Nase oder aber man schlägt ihn von hinten mit einem Stock.“ Anstatt Firmen immer zu kritisieren, könnte man im Zuge der ‚Karroten-Logik‘ also auch dafür sorgen, dass sie sich ‚freiwillig‘ nachhaltiger machen. Schulkin vertritt die feste Überzeugung, dass Firmen für Geld alles tun – daher funktioniere das Konzept.

Einen umweltbewussten Hintergrund bringen auch die Shirtmobs mit sich. Dieser besteht vordergründig in einem T-Shirt-Tausch mit einer Person innerhalb einer großen Gruppe. Doch viel entscheidender ist beim Shirtmob die Tatsache, dass die Geschichte hinter jedem Shirt erzählt wird. Zudem werden durch derartige Aktionen Kleidungsstücke in den Kreislauf zurück gebracht, die in der Regel kaum noch von ihren Besitzern getragen werden. Der Veranstalter Eric von Poettschacher bringt das Prinzip folgendermaßen auf den Punkt: „Für die Produktion der Baumwolle eines T-Shirts wird bis zu 10.000 Liter Wasser benötigt. Gleichzeitig liegen die meisten T-Shirts unbenutzt im Schrank. Mit Re-Shirt haben wir ein hochwertiges System geschaffen, um diese T-Shirts wieder in den Kreislauf zu bringen. Die ökologischsten Klamotten sind die, die schon im Umlauf sind.“

Schon im letzten Jahr berichteten wir davon, dass das Internet ein „kollektives Denken und Handeln“ ermöglicht (Link zum Artikel). Nun geht auch die Digitalisierung von Flashmobs in die nächste Runde. Erst Ende Juni 2012 wurde auf dem Forum www.flash-mob.de dazu aufgerufen, den Prototyp der ersten Flashmob-App zu testen. Diesem Ruf folgte eine Gruppe von Studenten und entwickelte eine App, die sich derzeitig in der Testphase befindet und in einer Demoversion zu haben ist. Mit Hilfe dieser App können Nutzer sich über in der Nähe befindliche Flashmobs informieren. Auch die Vernetzung einzelner Flashmobber wird sich also mit hoher Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft weiterentwickeln und uns vielleicht weitere, spannende Events dieser Art bringen.

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