© Michele Morosi

Changing Cultures

Shoppen mit allen Sinnen

Shopping hat längst nichts mehr damit zu tun, möglichst schnell eine Einkaufsliste abzuhaken. Wir shoppen, um uns die Zeit zu vertreiben, um zu genießen – und um zu zeigen, wer wir sind oder sein möchten. Aber manchmal soll es dann doch ganz schnell gehen. Unsere Retail-Trends 2016 spiegeln die widersprüchlichen Bedürfnisse zwischen Wellness-Shopping und Instant Gratification.

Abwechslung, bitte

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„Zugang ist der neue Besitz“ in schnelllebigen Modezeiten. © Kris Atomic                                             

Warum viel Geld für teure Designermode ausgeben, wenn der nächste Trend nur ein paar Wochen entfernt ist? Bindungsscheue Millenials müssen sich jetzt auch in Modefragen nicht mehr festlegen. Bei Rent the Runway können Designerstücke im Monatsabo für einen Bruchteil ihres Ladenpreises ausgeliehen und zurückgeschickt werden, wenn sie nicht mehr gefallen oder gebraucht werden. Zugang ist der neue Besitz, lautet das Motto der Gründerinnen Jennifer Fleiss und Jennifer Hyman. Damit verändert das Startup, wie wir Kleidung konsumieren und weitet die Sharing-Kultur auf die Welt der Haute Couture aus.

Auf einen Kaffee in der Moleskine-Community

Benutzt noch irgendwer ein analoges Notebook im Moleskine Café? © Michele Morosi

Schon Van Gogh, Picasso und Hemingway haben sich in Cafés herumgetrieben, mit anderen kreativen Geistern ausgetauscht und ihre Ideen in kleinen Notizbüchern festgehalten. Nicht in Original-Moleskines, denn die gibt es erst seit 20 Jahren. Aber der Mythos um die berühmten Notizbuchfans lebt und nun gibt es auch das Café dazu. Der Kreativtreff von Heute ist so ganz anders als im Goldenen Zeitalter der Kaffeehäuser: hell, clean, digital und mit Retail-Bereich. Im Mailänder  Moleskine Café findet jeder eine Steckdose, doch auch Kunst und Intellekt sollen nicht zu kurz kommen. Die Galerie zeigt Kunstwerke von Moleskine-Fans, die per Crowdsourcing ausgewählt wurde, auf der Wand darf gekritzelt werden und „Breakfast Learning Sessions“ füttern das Gehirn: Eine immersive Markenwelt zum gemeinsamen Denken, Kreieren und Tagträumen.

Smarte Umkleidekabinen

Im Ralph Lauren Flagship Store wandert die Kleidung auch in digitale Warenkörbe. © Ralph Lauren

Und – wie sitzt der Bikini? Doch lieber eine Nummer größer? Eine ehrliche Zweitmeinung kann helfen, aber manchmal wünschen wir uns mehr Privatsphäre in der Umkleide. Bei Ralph Lauren in New York erledigt jetzt der Spiegel den Verkäuferjob. Über Funketiketten in den Kleidungsstücken schlägt der interaktive Spiegel weitere passende Teile vor, andere Größen oder Farben können über den Touchscreen direkt in die Kabine geordert werden. Dabei darf die Kundin sich in unterschiedlichem Licht betrachten: Wie sieht das Kleid im Hellen, bei Dämmerung, im Club oder gar im Aquarium aus? Wer sich nicht gleich entscheiden möchte, kann die Lieblingsstücke aufs Handy schicken, noch einmal drüber schlafen und später online kaufen.

Sofort-Lieferung bei Amazon

Das Leben ist zu kurz um Tinte nachzukaufen: Amazons Dash Replenishment Service. © Amazon.com

Wir verbringen mehr Zeit mit dem Einkaufen als jemals zuvor: Produkt- und Hintergrundrecherche, Bewertungsportale und Nutzerkommentare, Pakete abholen und Retouren verschicken… Ganz schön anstrengend und zeitraubend. Amazon reagiert darauf mit immer schnelleren Lieferterminen. In Berlin können sich Prime-Mitglieder Produkte wie Bier, Bücher, Tiefkühlpizza oder Salat schon innerhalb einer Stunde liefern lassen. In Großbritannien testet Amazon die Lieferung per Drohne. Noch komfortabler ist es, die Kontrolle über seine Einkäufe ganz abzugeben. Amazons Dash Replenishment Service ahnt den Kauf voraus, wenn Leerstand droht. So können Kaffeemaschine, Brita-Karaffe oder Drucker ihre Patronen selbst nachbestellen.

Tindern mit Sephora

Nach links, nach rechts, mit Edge? Match! © Tinder

Wisch nach rechts: Ooohh ja! Wisch nach links: Nein, danke! Das schnelle Aussortieren der Besten funktioniert jetzt auch beim Makeup. Mit der neuen Markenkampagne „Beauty, Uncomplicated“ vermarktet der Beauty-Retailer seine Hauslinie Sephora Collection nach dem Tinder-Prinzip: Unter Tausenden den Richtigen (Look) finden. „Swipe it – Shop it“ heißt das neue Feature, das mobiles Einkaufen zum interaktiven Handyspiel macht. Denn in Zukunft sollen die User auch ihre eigenen Looks hochladen können. Promotet wird die Kampagne – natürlich – auf Tinder. It’s a Match!

Referenzen

Titelfoto © Michele Morosi

Fotos © Kris Atomic, Michele Morosi, Ralph Lauren, Amazon.com, Tinder