Trendletter Esskultur

Die Zukunft auf dem Teller

In unserer vernetzten, globalisierten Gegenwart ist das Essen längst nicht mehr nur Nahrungsmittel. Was wir essen, dient nicht nur dazu, satt zu werden – unser Verhalten, wie wir ein Lebensmittel, Gericht oder Getränk auswählen und zubereiten, ist heute mehr denn je ein Abwägen von unterschiedlichsten Faktoren. Wir orientieren uns an Foodtrends, die uns on- und offline begegnen, unsere Küche ist heute ein völlig anderer Lebensraum als noch vor wenigen Jahrzehnten und die Digitalisierung ermöglicht uns neue Zugänge zur globalen Nahrungsversorgung.

Das Frühstück kommt via App – bequem aus dem Bett bestellt. Beim Lunchen haben wir uns spontan zum Foodsaving entschieden und nehmen, was noch übrig ist. Das Abendessen soll dafür aber intensiv mit Freunden in der heimischen Küche zelebriert werden. Welche Faktoren beeinflussen unsere Auswahl? Welche Ernährungsgewohnheiten passen zu den neuen Verhaltensweise? Und was muss eigentlich die Küche der Zukunft können?

#1 Food Trends

Trends im Bereich Food und Beverage verändern manchmal nur Kleinigkeiten: Bestimmte Lebensmittel, die lange vergessen schienen, werden wieder modern (wie zum Beispiel Rote Bete als Färbemittel für unseren Milchschaum) oder neue Zutaten mischen Altbekanntes auf (wie Matcha-Tee sich bspw. vom Getränk zur Zutat in Eis, Waffeln und Co. mausert). Wie solche Food-Trends eigentlich entstehen, hat gerade Deutschlandfunk Nova für koreanische Gastro-Trends, Marketing-Strategien und  massentaugliche Adaptionen recherchiert.

Spannend werden solche Trends, wenn wir sie im großen Kontext menschlichen Verhaltens betrachten. Dann ist der Insektenburger ein Signal, wie sich Megatrends rund um Nachhaltigkeit und Globalisierung nach und nach in unserem Alltag wiederfinden. Oder das Cerealien-Getränk, das eine Mahlzeit ersetzt, ein Zeichen für unsere beschleunigte Gegenwart, in der wir gerne Zeit und Aufwand einsparen und alles to go, aber bitte gesund wünschen. Wir waren auf der Internorga und haben uns inspirieren lassen von den Trends der Branche – und obwohl wir erstaunlich wenige disruptive Innovationen angetroffen haben, zeigt sich, dass auch in den kommenden Jahren Megatrends wie Globalisierung, Gesundheit, Nachhaltigkeit und Digitalisierung beeinflussen wird, was bei uns ins Glas bzw. auf den Teller kommt.

#2 Millennial Kitchen

Wie wir heute kochen und was wir in der Küche eigentlich machen, hat sich schon jetzt im Vergleich zu den Jahrzehnten zuvor, rasant verändert. Doch welche Anforderungen haben eigentlich Millennials an die Küche? Was für Geräte wünschen sie sich? Und was wollen sie dort eigentlich alles erleben? In unserer Ethnographie zu „Millennial Kitchens“ haben wir uns dorthin begeben, wo wir Antworten auf diese Fragen finden können: An die Küchentische junger Menschen. Wir haben sie zu Hause besucht und uns mit ihnen über ihre Erwartungen, Wünsche und Herausforderungen ausgetauscht. Dabei herausgekommen ist nicht nur, dass Gemüse von der Beilage zum Hauptgang aufsteigt, sondern auch, dass das Kochen der Mahlzeit den Status als gemeinschaftliches Hauptevent streitig macht. Aus unseren Erkenntnissen sind „Millennial Mindsets“ entstanden, die uns einen Einblick ermöglichen, wie sich eigentlich junge Menschen heute und in Zukunft verhalten.

#3 Welthungerhilfe

Während Digitalisierung vielleicht unsere Zugänge zu Essen verändert, kann sie in anderen Gebieten der Welt Leben retten. Denn mithilfe von künstlicher Intelligenz und Augmented Reality kann Hunger erkannt und bekämpft werden – wie der Child Groth Monitor der Welthungerhilfe beweist. 2017 haben wir zusammen mit 18 Botschaftern der Welthungerhilfe in unserer Innovation Factory in Delhi, Indien in einem Sprint von nur sieben Tagen innovative und höchst effiziente Ideen im Kampf gegen den Hunger entwickelt. Der Child Growth Monitor, eine Augmented Reality-App, mit der Communities weltweit selbst latente Unterernährung von Kindern erkennen und mit Nahrungsergänzungsmitteln Folgeschäden vorbeugen können, war eines der begeisternden Beispiele für das Ergebnis echter Human Innovation.

Microsoft und die Boston Consulting Group (BCG) haben das Projekt nun auf die nächste Stufe gehoben. Mithilfe eines 3D-Scans können Größe und Gewicht von Kindern bis zu fünf Jahren eingeschätzt werden – und die App liefert eine Diagnose zu möglicher Mangelernährung. Diese Lösung kann sowohl in humanitären Krisen als auch chronischen Hungersituationen Eltern oder freiwilligen Helfern helfen, Mangelernährung schnell zu erkennen und zu reagieren. Außerdem lässt sich die Ausdehnung einer Hungersnot bisher schwer schätzen – auch hier kann die App Entscheidungsträgern und Politikern erste Anzeichen liefern.