© Simon Migaj

Social Media Analyse

Wintertourismus für die nächste Generation

Der Wintertourismus steckt seit Jahren in der Krise: zu wenig echter Schnee, der Nachwuchs fehlt, exotischere Reiseziele locken. Selbst der Olympiaboom durch die Spiele im südkoreanischen Pyeongchang wird daran nicht viel ändern. Es braucht also dringend neue Ideen. Simon Bieling findet sie auf Instagram – und beim Blick über den Atlantik.

Mit Schneekanonen und Pistenausbau kämpfen die großen europäischen Skiregionen gegen sinkende Gästezahlen an. Noch droht ihnen nicht das Schicksal des südkoreanischen Alps Ski Resort, das sich seit 2006 zu einer echten Geisterstadt gewandelt hat. Fest steht jedoch: Der Wintertourismus wird sich in nächster Zeit auf neue Füße stellen und in Zeiten von Instagram & Co. auch optisch neu erfinden müssen.

Wintergäste liefern selbst neue Vermarktungsstrategien

Längst machen Skitouristen für Social Media ihre eigenen Aufnahmen und prägen so das visuelle Image der Reiseziele entscheidend mit. Reagieren Skiorte und Hotels nicht darauf, riskieren sie in ohnehin schwierigen Zeiten, auch optisch den Anschluss an ihre Zielgruppen zu verlieren.

Selbst dabei sein ist alles: Instagram, Januar 2018

Die Webpräsenzen und Facebook-Profile der größeren Skigebiete im DACH-Raum geben Anlass zur Sorge – trotz strahlendem Sonnenschein, Bergpanorama und Glitzerschnee. Mit diesem optischen Standardmenü versuchen die Skiregionen, wie schon seit Jahrzehnten Gäste anzulocken. In Zeiten, in denen Wintertouristen sich anderen Reisezielen zuwenden, wird jedoch eins immer wichtiger: Skiorte müssen zeigen, dass sie nicht beliebig mit jedem anderen touristischen Ziel austauschbar sind.

Der Berg aus Ich-Perspektive

Was versprechen sich Wintertouristen von ihrem Urlaub? Welche Erlebnisse sind ihnen wichtig und welche Erfahrungen teilen sie mit ihren Freunden? Beim Vergleich von Instagram und den Marketingbildwelten der Skigebiete offenbart sich ein Clash der Generationen. Während Tourismus-Websites wie seit Jahrzehnten auf Postkartenmotive mit schneeweißem Berggipfel setzen, versuchen junge Wintersportler auf Instagram sich die Landschaft persönlich anzueignen – dokumentiert durch Spuren im Schnee oder neuentdeckte Wege abseits des Pistenrummels.

Den eigenen Fußabdruck hinterlassen. Instagram, Januar 2018

Kulisse für Alpin-Selfies

Doch häufig möchten die Instagram-Nutzer mit ihren Wintersportfotos vor allem eines beweisen: Dass sie das Role Model des rasanten Alpinsportlers auch optisch erfüllen, so wie ihn Filme und Sportsendungen über Jahrzehnte in unser kulturelles Gedächtnis eingeschrieben haben. Die beliebtesten Requisiten hierfür: bunte Skibrille und Snowboard. Doch wie können Skiresorts ihre Wintergäste darin unterstützen, fotogen und sportlich rüberzukommen? Vielleicht sollten Touristikanbieter stärker beachten, wie Liftanlagen, Berghütten und Pisten auf Fotos wirken.

Der Skiprofi bin ich. Instagram, Januar 2018

Gemeinschaft im Schnee

Skiurlaube dienen nicht zuletzt der Beziehungspflege. Auf den Brettern stehen wir zwar allein, aber egal ob im Sessellift (sehr beliebt für Gruppenaufnahmen) oder beim Après Ski – wir haben teil an einem Gruppenerlebnis. Deshalb sollten Skiregionen darüber nachdenken, auf welche Weise sie für Gemeinschaftserfahrungen den passenden Rahmen bieten können.

Gemeinschaftliche Naturerlebnisse. Instagram, Januar 2018

Inspiration bieten das US-amerikanische Aspen und das kanadische Whistler. Unter dem Stichwort #TheAspenWay verspricht Aspen seinen Gästen im Skiurlaub den Zugang zu einer besonders weltoffenen und umweltbewussten Community. In Whistler wiederum gilt das Gebot »Ski what you see«. Nicht auf festgelegten Trassen, sondern individuellen Wegen in einem fest umgrenzten Gebiet können die Gäste ihre Version des eleganten Skifahrers selbst interpretieren.

Skitourismus in ganz neuem Kontext: Aspen macht sich stark für Umwelt und Diversität

Damit gelingt in Nordamerika etwas, das in europäischen Skizentren selten ist: Wer auf seinen Skiern die Berghänge von Aspen und Whistler hinunterwedelt, nimmt seine Umgebung nicht als austauschbar wahr. Er fühlt sich angeregt, sie auf eigene Faust zu entdecken und sieht sich im besten Fall als Teil eines größeren Ganzen.